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Artikel vom
29.01.2019
„Wir schenken Leben und das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, wenn wir es denn wollen“

Hirntod, Organspende oder auch Dialyse - Begriffe, die für die meisten Jugendlichen nicht zu den alltäglichen Gesprächsthemen zählen. Sie wirken überfordernd, fern in der Zukunft und passen einfach nicht in die „hippe Partymentalität“ der Teenager. Ganz ehrlich, es fällt doch auch leichter sich von dem Tabu-Thema Tod zu distanzieren, anstatt sich mit einer möglichen Organtransplantation nach dem eigenen Tod auseinanderzusetzen.

Wie wichtig es jedoch ist, sich über die Zukunft Gedanken zu machen und eine eindeutige Entscheidung für oder gegen die Organspende zu treffen, verdeutlichte uns, dem Jahrgang 13 der Freiherr-vom-Stein Schule, PD Dr. med. Peter Benöhr am Freitag, den 25.01.2019. Als Oberarzt der Nephrologie und Dialyse in Fulda sowie Notarzt im RTW im Main- Kinzig- Kreis beeindruckte er nicht nur mit seinem umfassenden Wissen und seinen außergewöhnlichen Erfahrungsberichten, sondern machte uns durch seine humorvolle Art mit der Problematik Organtransplantation vertraut. Auf die Schülerfrage, ob es denn Risiken für den Spender gäbe und was man alles spenden könne antwortete er mit einem Schmunzeln „bei dem Toten sei es komplett risikofrei, doch die Transplantation des Herzens sei für einen Lebendspender fatal“. Obwohl dies für eine lockere Atmosphäre sorgte, verwies Dr. med. Peter Benöhr immer wieder eindringlich auf die Notwendigkeit von einem Anstieg an Organspendern. Letztes Jahr habe es 955 Organspender in Deutschland gegeben, das sei ein Anstieg von 20% gewesen und dennoch sei es immer noch zu wenig!

Neben den Organen wie Niere, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse, … könne man auch Gewebe wie die Haut oder Hornhaut spenden. Er verdeutlichte jedoch auch, dass egal was wir spenden, wir würden in jedem Fall mindestens einem Menschen in Not helfen und somit die schockierend hohe Zahl an Wartenden reduzieren.

Fakt sei: 11 000 Menschen allein in Deutschland warten im Moment auf eine lebensrettende Transplantation! Die durchschnittliche Wartezeit auf ein Organ betrage 10 Jahre. 10 Jahre voller Unsicherheit, Schmerz, Hoffnung, aber vor allem 10 Jahre Dialyse: auf jeden Fall eine lebenserhaltende Maßnahme aber keineswegs kann man hier von Lebensqualität sprechen.

Unsere Aufgabe sei es, diesen schwer kranken Menschen mit unseren Möglichkeiten zu helfen, sodass sie wieder ihren Alltag meistern können. Dass dies funktioniert, zeigen Prominente wie der zweimal nieren- und einmal lungentransplantierte Nikki Lauda oder der nierentransplantierte Kronprinz von Schweden sowie die Frau des Bundespräsidenten Walter Steinmeier, deren Leben durch eine transplantierte Niere verbessert werden konnte.

Seinen bewegenden Vortrag beendete PD Dr.med. Peter Benöhr mit „uns sterben pro Tag drei Patienten auf der Warteliste und wir akzeptieren es“. Wenn auch Euch -genauso wie mir - dieser Gedanke nicht mehr aus dem Kopf geht, dann gilt es aktiv zu werden!


Luca Marie Jahn



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