header
Artikel vom
16.09.2013
Eine Alternative zum Kanzlerduell

Einen Tag vor den U18-Wahlen in der FvSS begrüßte der PoWi-LK der Jahrgangsstufe 12 (Herr Rübbert) sechs prominente Politikerinnen und Politiker zu einer Podiumsdiskussion in der Turnhallenaula unserer Schule. Patrick Barthel (SPD), Michale Brand (CDU), Wolfgang Runge (Die Linke), Herbert Rusche (Piraten), Mario Klotzsche (FDP) und Silvia Junker-Hoffmann (Bündnis 90/Grüne) waren der Einladung gefolgt und diskutierten 90 Minuten lang vor unseren Oberstufenschülerinnen und -schülern die zwei vorbereiteten Fragen des LK und spontane Fragen aus dem Publikum. Moderiert wurde die Diskussion von Marie Brons und Denise Klüber im Auftrag des LK. 

 

Ein herzliches Dankeschön den Schülerinnen und Schülern des LK und Herrn Rübbert für die aufwendige Vorbereitung der Podiumsdiskussion und die perfekte Organisation!

 

Denise Klüber schildert die Vorbereitungen und den aufregenden Tag aus ihrer Sicht:  

Die Podiumsdiskussion des Politik- und Wirtschaft-Leistungskurses der 12. Klasse der Freiherr-vom-Stein Schule bot eine große Vielfalt an politischen Ansichten und Themen. Der Leistungskurs von Herrn Rübbert begann bereits einige Wochen zuvor mit der Vorbereitung für die Veranstaltung. Kandidaten mussten eingeladen, Plakate und Namensschilder besorgt, Fragen für die Politiker überlegt und die Moderation übernommen werden. Bald kamen alle Ideen zusammen und ein Zeitplan wurde aufgestellt. Als dann auch jede eingeladene Partei zugesagt hatte, waren alle erleichtert.

Bei der Podiumsdiskussion würden also sechs Kandidaten, Landtags- oder Bundestagsabgeordnete, erscheinen und die Parteien SPD, CDU, FDP, Die Linke, die Grünen und die Piraten vertreten.

Im Hinblick auf die Sitzordnung war für uns von Anfang an klar, dass Parteibündnisse und -koalitionen bei dieser Debatte nichts nebeneinander zu suchen hatten. Bewusst wurden sie voneinander getrennt platziert, um ein wenig Abwechslung in die Gespräche zu bringen. So saßen mögliche Kontrahenten auf einer Seite und mussten sich ein Mikrofon teilen.  

Am 12.09.2013 wurden letzte Vorbereitungen getroffen, alle Stühle gestellt, die Tische der Kandidaten im Halbkreis angeordnet, Wasserflaschen bereitgestellt und fleißig Wahlzettel auf allen Stühlen verteilt. Die Spannung und Vorfreude im LK wuchs.

Die Moderatorinnen begaben sich gemeinsam mit Herrn Rübbert zu den bereits eingetroffenen Politikern Silvia Junker-Hoffmann (Bündnis 90) und Herbert Rusche (Piraten) und begrüßten diese herzlich. Man sprach über die hessische Bildungspolitik und auch Politikverdrossenheit.  Nach und nach trafen auch Mario Klotzsche (FDP), Pascal Barthel (SPD), Wolfgang Runge (Die Linke) und mit ein wenig Verspätung auch Michael Brand (CDU) ein.

Der Ablauf der Veranstaltung wurde nochmal erklärt und darauf verwiesen, sich bei der Debatte im gegebenen Zeitrahmen zu bewegen und Fachausdrücke zu vermeiden.

Als schließlich alle PoWi-LKler bereit waren und die ersten Schüler eintrafen, redeten sich alle noch einmal Mut zu und begaben sich auf ihre Positionen, ob nun am Technikpult, im Publikum oder hinter der Bühne. Die Politiker betraten die Bühne und nach einem letzten „High-Five“ taten dies auch die Moderatorinnen.

Herr Sämann ergriff das Wort und begrüßte alle recht herzlich.  Dann übernahmen zuerst Herr Rübbert und anschließend die Moderatorinnen das Wort, die sich selbst und die anwesenden Politiker und Politikerinnen vorstellten, den zeitlichen Ablauf der Debatte und die Regeln erklärten und alle Kandidaten erneut darauf hinwiesen, sich an die vorgegebene Zeit zu halten. Ein Klingelzeichen würde sie daran erinnern und zur Not ertönen, falls die Regeln missachtet würden. Die Debatte konnte beginnen.

Jeder Kandidat hatte nach einer festgelegten Reihenfolge die Möglichkeit, sich im Rahmen von 2 Minuten vorzustellen. Nach dieser „Aufwärmrunde“, begann auch die Diskussion auch schon mit der ersten innenpolitischen Frage des PoWi-Lk’s:

„Wie sieht Ihr Konzept aus, dass es in Deutschland allen Jugendlichen ermöglicht wird zu studieren, wenn diese das möchten?“

Die Ansätze waren oft sehr unterschiedlich. So setzte sich die Piratenpartei dafür ein, dass das „Bedingungslose Grundeinkommen“ eingeführt wird. Dadurch würde jeder genügend finanzielle Mittel zur Verfügung haben, sich sein Studium oder auch seine Ausbildung finanzieren zu können, so Rusche.  Die Linke sah das BAföG als zwingend notwendig für dieses Vorhaben. Runge forderte, dass das BAföG nicht länger nur ein Darlehen bleiben, sondern behalten werden dürfe.
Das hierdurch verlorene Geld  würde später, wenn der ausgebildete Student arbeiten gehe, durch Steuern wieder eingetrieben werden. Auch Brand unterstützte ein höheres BAföG, jedoch hielt er es für nicht richtig, dass jeder ohne Anstrengung die Möglichkeit habe zu studieren. Er verwies darauf, dass man Parteien an ihren Taten messen solle und die CDU ja bereits acht Mal die Bildungsinvestitionen erhöht habe. Die SPD, Grünen und die FDP setzten sich alle dafür ein, Schulen stärker zu fördern, um somit eine bessere Qualifizierung der möglichen Studenten zu erreichen. Die FDP betonte besonders den Ausbau von Bildungs- und Erziehungsangeboten und nannte das Beispiel der bereits ausgebauten Kitas. Auch Klotzsche legte Wert darauf festzuhalten, dass die FDP dies erreicht habe. Die Vertreterin der Grünen, Junker-Hoffmann, sprach sich klar für die Schulvielfalt aus und dafür, dass der Bildungsweg nicht länger elternabhängig sein dürfe. Barthel (SPD) sprach sich ebenfalls dafür aus, dass Schulen besser unterstützt werden müssen, um die Voraussetzungen für ein Studium zu schaffen. Er wies darauf hin, dass die Mieten und Materialien während eines Studiums sehr teuer seien und stimmte hier der CDU zu, dass das BAföG erhöht werden müsse. Eine kleine Auseinandersetzung fand zwischen der Brand und Barthel statt, als Barthel erklärte, dass die CDU die Studiengebühren wieder einführen wolle, was er mit einem Zitat eines prominenten CDU-Bildungspolitikers untermauerte. Brand verneinte dies entschieden.

Die Politiker hatten nun 12 Minuten zur Verfügung, um sich untereinander auszutauschen, was diese nicht gänzlich ausschöpften. Da niemand mehr etwas zum Thema zu sagen hatte, begannen wir früher als erwartet mit der Fragerunde, in die das Publikum integriert werden sollte. Die vielen Bedenken, dass sich an dieser Stelle kein Schüler freiwillig melden würde, wurden eindeutig widerlegt, als mehrere Schüler sofort ihre Hand hoben. Die Fragen thematisierten sehr unterschiedliche Themen, wie die „gleichgeschlechtliche Ehe“, den „Spitzensteuersatz“ und das „Bedingungslose Grundeinkommen“ und wurden von den Politikern und der Politikerin gern und ausführlich beantwortet.

Nachdem die Fragerunde aus dem Publikum nach 15 Minuten zu Ende war, ging es mit der zweiten vorbereiteten und diesmal außenpolitischen Frage des Leistungskurses weiter:

„Afghanistan-Abzug schon 2014 – Ist die Freiheit Deutschlands am Hindukusch schon erfolgreich verteidigt worden?“

Diese Frage berührte ein offensichtlich hitziges Thema und viele Emotionen kamen in der folgenden Debatte zum Vorschein. Die Piraten unterstützten den Abzug des Militärs aus Afghanistan und erklärten, dass Deutschland dort nichts verloren habe, jedoch dürfe kein Mensch, der in Afghanistan eingesetzt wurde, zurückgelassen werden, erst recht nicht, wenn er sich in Gefangenschaft der Taliban befinde. Als Runge das Wort ergriff, sprang dieser auf und zeigte Bilder von Menschen, die durch den Krieg in Afghanistan umgekommen waren, auch Kinder waren darunter zu sehen. „Diese Kinder schlafen nicht!“, so Runge. Er vermittelte seine Ansicht ohne Umschweife. Wütend erklärte er, der Abzug sei überfällig und zwingend
notwendig. Er sagte, man könne Krieg nicht mit Aggressionen bekämpfen und ließ sich verärgert auf seinen Stuhl fallen, während er sein Mikrofon weiterreichte. Die FDP gab sich zurückhaltend. Die Entscheidung sei keine einfache und man müsse schlichtweg überlegen, wie man in solchen Extremsituationen handle. Afghanistan sei nicht der einzige Konflikt, auf den man reagieren müsse. Er nannte als Beispiele den Chemiewaffenangriff in Syrien oder wenn Länder um (bewaffnete) Hilfe bäten. Die Diplomatie sei der einzig richtige Weg, auch wenn dieser langwierig sei. Die Grünen betonten, dass überall dort, wo die Freiheit bedroht werde, gehandelt werden müsse. Es dürfe nicht nur zugesehen werden, sondern dies bedrohe letzten Endes auch unsere Freiheit. Junker-Hoffmann unterstützte jedoch die Linken in der Ansicht, dass ein solcher Konflikt militärisch nicht zu lösen sei. Stattdessen seien diplomatische und humanitäre Hilfen notwendig. Auch Michael Brand, der wie Runge bereits Erfahrungen in Krisengebieten hinter sich hat und das Kriegsgeschehen dort teilweise miterlebt hat, war von diesem Thema deutlich bewegt. Er beschwerte sich darüber, dass Europa in Bosnien beispielsweise nur zugeschaut habe und so etwas nicht nochmal geschehen dürfe. Wenn bewusst Menschenrechte verletzt würden, müsse gehandelt werden, selbst wenn dies risikoreich sei. Auch die CDU unterstützte die Aussage, dass der Konflikt militärisch nicht zu lösen sei,
aber definitiv Hilfe benötigt worden sei, um das System in Afghanistan aufzubauen. Man müsse jedoch auch bedenken, dass Deutschland eine Verantwortung trage und dies nicht nur international, sondern auch national. Durch die Einmischung in internationale Konflikte steige auch die Gefahr für Deutschland, weiter ins Fadenkreuz des Terrorismus zu gelangen. Barthel schloss sich zum ersten Mal an diesem Mittag der CDU an und ergänzte lediglich, dass das Einschreiten in die Krise notwendig war. Es wäre nach Hilfe gefragt worden. Auch wenn Afghanistan es nun „alleine schaffe“, so sei das Projekt noch lange nicht zu Ende.

Nachdem diese Frage von allen beantwortet wurde, folgten Abschlussstatements und alle Kandidaten verabschiedeten sich von den Schülern und riefen sie noch einmal zur Wahl auf, sofern diese bereits wahlberechtigt seien. Die
Oberstufenschülerinnen und –schüler wurden zum Schluss noch gebeten, ihr Kreuz zu setzen und ihre Wahlzettel am Ausgang abzugeben.


Die Debatte im Ganzen betrachtet war meiner Meinung nach sehr erfolgreich. Viele der Schüler hatten zuvor die Debatte zwischen Merkel und Steinbrück angesehen. Von vielen war Unzufriedenheit mit beider Leistungen wahrzunehmen. Oft wurde auch betont, dass diese Debatte keinerlei Klarheit darüber gebracht habe, wen man denn nun wählen solle. Jeder hatte sich davon versprochen, die politische Situation klarer zu sehen, doch stattdessen blieben viele ebenso unzufrieden wie vorher zurück. Die Podiumsdiskussion des Leistungskurses hingegen bot alles, was man für eine politische Entscheidung benötigte, wenn man sich noch nicht entschieden hatte. Alle Kandidaten fielen auf, ob nun durch ihr frisches und kompetentes Auftreten oder durch für das Publikum enttäuschende Zurückhaltung. Manchmal waren 2 Minuten nicht ausreichend für den ein oder anderen Politiker und selbst die Klingel konnte keine Abhilfe schaffen. Als letzte Möglichkeit wurde dann hin und wieder das Mikrofon abgeschaltet, was uns so manche verstörte Blicke einbrachte, sehr zur Belustigung der Zuschauer. Die Regeln waren jedoch klar. Die Meinungen nach der Debatte gingen nicht selten auseinander, aber ist es nicht das, was
man bewirken möchte? Mir persönlich gab die Diskussion die Bestätigung, dass ich mich für die richtige Partei entschieden hatte und vielen andern ging es genauso. Andere hingegen grenzten sich nun ein wenig deutlicher von ihrer vorher favorisierten Partei ab.


Der PoWi-LK war sehr gespannt, wie das Ergebnis der Wahl ausfallen würde und begann sofort nach der Veranstaltung mit der Auszählung der Stimmen. Das Ergebnis war für uns sehr überraschend. 

Die Podiumsdiskussion war eine gelungene Alternative zur Merkel-Steinbrück-Debatte, hat gezeigt, wie viel Spaß Politik machen kann und besonders den Leistungskurs begeistert, aber auch viele andere Schüler der Oberstufe.



 



 



 



 



 



 



blog comments powered by Disqus