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Artikel vom
29.01.2019
„Nur eine Organspende kann Patienten ihre Lebensqualität wiedergeben“

Am Freitag, den 25.01.2019, hielt Dr. Peter Benöhr, Transplantationskoordinator und Nephrologe (Nierenfacharzt) im Klinikum Fulda, einen interaktiven Vortrag zum Thema Organspende für die Religionskurse der Jahrgangsstufe 13 von Ruth Scheunert, Christoph Hartmann und Dr. Peter Mergler. Dadurch sollten die Schüler auf diese Thematik aufmerksam gemacht und darüber informiert werden, wie genau eine Organtransplantation eigentlich abläuft.

Dr. Peter Benöhr, natürlich auch selbst Organspender, ist seit nunmehr 12 Jahren als Transplantationskoordinator und als Notarzt am Klinikum Fulda tätig, wobei er in seiner Funktion als Transplantationsbeauftragter auch für die Gespräche mit Organspendern und -empfängern und deren Angehörigen zuständig ist.

Zunächst verwies Benöhr anhand eines aktuellen Artikels aus der „Zeit“ auf die Defizite, die es in Deutschland in puncto Organspende schon seit längerem gebe, nämlich die fehlende Finanzierung durch den Staat, aber auch der fehlende Austausch unter Angehörigen zu dieser Frage, deren Antwort dann im Todesfall unter großer emotionaler Belastung und unter Ungewissheit zu treffen sei. Es bestehe zwar allgemein in der Bevölkerung eine grundsätzlich recht hohe Zustimmung gegenüber einer postmortalen Organspende, allerdings ließen die meisten Befürworter ihre Angehörigen darüber im Unklaren.

Des Weiteren wurde darüber diskutiert, wie man wieder zu mehr Organspendern kommen könnte. Hierbei wurden die Schüler auch mit der sogenannten Widerspruchslösung, die in Österreich zum  Einsatz kommt, konfrontiert. In diesem System wäre man, wenn man nicht ausdrücklich widerspricht, automatisch Organspender, sogar als Tourist.

Nachdem Benöhr uns einige prominente Personen, die Organempfänger sind, zeigte, die durch eine Transplantation wieder ein normales Leben führen konnten, waren wir als Zuhörer von den positiven Auswirkungen einer Organspende durchaus überzeugt.

Nun ging es etwas ins medizinische und juristische Detail, die geschichtlichen Meilensteine auf dem Weg zur ersten erfolgreichen postmortalen Nierentransplantation (im Jahr 1962) wurden angesprochen und der genauen Vorgang einer Organtransplantation, die im Übrigen von fast allen Glaubensrichtungen als Akt der Nächstenliebe befürwortet wird, wurde erläutert. Wichtig an dieser Stelle ist insbesondere, dass es erst dann zu einer Transplantation kommt, wenn der Hirntod eines Patienten durch zwei verschiedene, voneinander unabhängige Ärzte festgestellt wurde. Somit und durch eine ganze Reihe von Tests könnten Fehler bei der Feststellung des irreversiblen Hirntods laut Benöhr ausgeschlossen werden. Essentiell für einen Organempfänger sei außerdem die Einnahme von Immunsupressiva, um die Abstoßung des gespendeten Organs zu verhindern.

Um nochmals nachdrücklich für das Ja zur Organspende zu werben, machte Benöhr uns das Schicksal eines Dialyse-Patienten deutlich: Drei Mal in der Woche zum Krankenhaus und an die Dialyse, nicht mehr als 500ml Wasser am Tag, kein Steak mehr und sogar nur noch wenig Obst, zudem bis zu 10 Jahren Wartezeit auf ein gespendetes Organ. Dies hieße also im Prinzip: „Lebenserhaltung ja, Lebensqualität nein“.

Dass der Vortrag gleich mehrfachen Applaus bekam, zeigte besonders gut, wie emotional und bewegend dieser Vortrag zum Thema Organspende war und dass er in jedem Fall das Interesse der Zuhörer wecken konnte, die sich jetzt hoffentlich noch einmal privat mit der Frage „Möchte ich Organspender sein?“ auseinandersetzen.

Bernhard Lansmann, 13A



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