header
Artikel vom
30.01.2019
Non scholae, sed vitae discimus - Vom Unterricht zur Praxis zum Handeln zum Helfen

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir! Der Schulunterricht ist kein Selbstzweck, sondern soll auf das spätere Leben vorbereiten, was man lernt, lernt man für sich selbst. Diese Wahrheit gerät im teilweise stressigen Schulalltag für viele Schülerinnen und Schüler mitunter in Vergessenheit. Oft liegt das daran, dass den Lernenden der konkrete Alltagsbezug zum Erlernten fehlt. Im Rahmen einer bestehenden Kooperation der FvSS und dem Klinikum Fulda hatten nun Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Biologie der Steinschule die Möglichkeit, ihr im Klassenzimmer erworbenes Fachwissen einmal ganz konkret und praktisch mit dessen Bedeutsamkeit im Alltag zu vernetzen und zu erweitern. Hierfür besuchten die angehenden Abiturienten im Rahmen zweier Exkursionen das Institut der Pathologie sowie das onkologische Zentrum am Klinikum.

Pathologie, das klingt zunächst nach Formaldehydgeruch, Körperflüssigkeiten, Kühlkammern und Tatort-Folgen. Frau Prof. Dr. Gabriele Köhler räumt gleich zu Beginn das erste Vorurteil aus der Welt: mit Leichen hat der Beruf des Pathologen nämlich nicht allzu viel zu tun.

„Die Pathologie ist ein medizinisch-diagnostisches Fach mit herausragender Bedeutung im medizinischen Fächerkanon.“ In einem Rundgang durch das pathologische Institut erlebten die Schülerinnen und Schüler einen umfassenden Einblick in die unterschiedlichen Teilbereiche dieser Fachdisziplin. Als einer der Höhepunkte der Veranstaltung haben die jungen Forscher unter Anleitung von Frau Dr. Böhmer selbständig eine molekularpathologische Untersuchung, nämlich die Isolierung ihrer eigenen Erbsubstanz (DNA), durchgeführt. Trotz der vielfältigen Aufgaben der Pathologie wurde an vielen Stellen deutlich, dass ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit im Institut mit der Behandlung von Krebserkrankungen in Zusammenhang steht. Durch die Pathologen könnten vorläufige Diagnosen abgesichert oder spezifiziert werden. Bei vielen Tumorerkrankungen gebe es zum Beispiel verschiedene Subtypen, die exakt zugeordnet werden müssten. „Das ist wichtig, damit die Patienten in der Onkologie die richtige Medikation bekommen“, so Prof. Dr. Köhler.

Krebs ist eine weit verbreitete Krankheit. In Deutschland erkranken in jedem Jahr 500.000 Menschen neu an Krebs, 224.0000 Menschen sterben im gleichen Zeitraum. Im Fachunterricht Biologie ist Krebs Teil des Kerncurriculums und somit verbindliches Thema zur Vorbereitung auf das Abitur. Im Klassenzimmer bleiben die Inhalte jedoch abstrakt und theoretisch. Im Sektionssaal der Pathologie bekamen die Schülerinnen und Schüler von Frau Prof. Dr. Köhler zahlreiche tumordurchsetzte Präparate als Biopsie oder größeres Organresektat vorgestellt und erklärt. Der oft abstrakte Begriff des Tumors wurde so zur unmittelbar sicht- und greifbaren Gewebsveränderung, die Krankheit Krebs insgesamt besser verständlich. Die medizinischen Erkenntnisse der Pathologie tragen insgesamt auch dazu bei, dass heutzutage ca. 50% aller erwachsenen Krebspatienten und 4 von 5 Kindern geheilt werden können. Prof. Dr. H.-G. Höffkes, Direktor der Tumorklinik am Klinikum Fulda, rät allerdings „Bleiben Sie gesund!“ – das sei die beste Vorsorge. Doch wie geht das? Mit dieser Frage ließ er sein junges Auditorium aber auch nicht alleine. Den teilwiese erschreckend hohen Patientenzahlen zum Trotz, kann man wirksame Prävention betreiben, gerade wenn man diese bereits in jungen Jahren beherzigt. Nicht rauchen, begrenzter Alkoholkonsum – besser noch genereller Verzicht -, unbedingtes Vermeiden von Sonnenbränden, Bewegung und gesunde Ernährung sind eigentlich bekannte aber sehr effektive Vorsorge-Maßnahmen. Die nach Alter gestaffelten „Vorsorgeuntersuchungen“ bezeichne man besser als Methoden der Früherkennung, echte Prävention leisteten diese nicht. Dennoch seien diese ebenfalls essentiell im Kampf gegen die Krankheit. Denn früh erkannt, gibt es mittlerweile für nahezu alle Krebsarten sehr gute Heilungschancen, machte der Onkologe Mut.

Manchmal braucht es für die passende Therapie auch die Bereitschaft eines „Lebensretters“. Ganz aktuell findet in Fulda ein groß angelegter Aufruf zur Typisierung statt, um für Martin (die Fuldaer Zeitung berichtete) einen passenden Spender von Knochenmarkstammzellen zu finden. Im Kampf gegen Blutkrebs ist eine solche Spende oftmals die einzig erfolgversprechende Maßnahme. Auch an der Freiherr-vom-Stein-Schule findet am 06. Februar eine solche Typisierungsaktion der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) in der Zeit von 10.40 Uhr bis 12.15 Uhr statt. Aufgerufen ist neben der gesamten Schulgemeinde auch jeder andere Freiwillige.


Bildunterschriften:

  • Bild 1:  Prof. Dr. Köhler mit Schülergruppe (LK Biologie FvSS) im Sektionssaal der Pathologie des Klinikums Fulda
  • Bild 2:  Prof. Dr. Köhler mit Schülergruppe (LK Biologie FvSS) im Sektionssaal
  • Bild 3:  Prof. Dr. Köhler mit Schülergruppe (LK Biologie FvSS) im Sektionssaal (Herzpräparat)
  • Bild 4: Nicole Sturm (Ltd. MTA) illustriert die Arbeit im Labor
  • Bild 5: Dr. Verena Böhmer (Molekularpathologie) bei der Isolierung von DNA
  • Bild 6: Schülergruppe bei der Isolierung von DNA
  • Bild 7: Prof. Dr. Heinz-Gert Höffkes im Vortrag (Onkologie Klinikum Fulda)


Hier geht's zur erweiterten Bildergalerie.



Text und Bilder: Marius Nüchter



blog comments powered by Disqus