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Artikel vom
26.11.2019
E-Mobilität? Kommt endlich aus den Reboard-Sitzen raus!

Kein handwerklicher Kutschenbauer hat den Sprung aus dem Zeitalter der Pferdefuhrwerke hin zum motorisierten PKW geschafft. Mit einem kurzen Abriss zur Entwicklung der individuellen Mobilität in den letzten 200 Jahren, die durch mehrere Mobilitätsrevolutionen geprägt war, begann Prof. Dr. Müller seinen Impulsvortrag. Die Analogie nutzte der Experte für Karosseriebau der FH Würzburg-Schweinfurt und wissenschaftliche Direktor des Automotive Center Südwestfalen, um auf die Risiken für die namhaften Automobilhersteller beim gegenwärtigen Umbruch hinzuweisen. Als zentrale Veränderungen in der aktuellen Verkehrsrevolution skizzierte er neue Mobilitätskonzepte, autonomes Fahren und neue Antriebstechnologien. Um die Innovationen aber technisch diskutieren und bewerten zu können, sei es wichtig, einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen. Dieser müsse weit über einen Vergleich des CO2-Ausstoßes in der Nutzungsphase hinausgehen. Als weitere Parameter verwies der Referent auf den Energiebedarf in der Herstellung, die gesetzlich festgelegten CO2-Grenzwerte, die Fahrzeug-Lebenszykluskosten, die notwendige Infrastruktur zur Energiebereitstellung für die verschiedenen Antriebssysteme, die Bedeutung der Automobilindustrie für die Exportwirtschaft und den damit verbundenen Technologie- und Wirtschaftsstandort Deutschland sowie den zunehmenden Wettbewerb mit Fahrzeugen aus Fernost. Im Anschluss an den Vortrag wurde die Relevanz dieser Einflussgrößen mit den zahlreichen Teilnehmern angeregt diskutiert. Angesichts der riesigen Herausforderungen für den Standort Deutschland wurde deutlich, dass dringend der Fokus auf notwendige Innovationen gerichtet werden muss. Der nostalgische Blick vom Reboardsitz durch die Heckscheibe auf die gute alte Welt der Verbrennungsmotoren hingegen sei fatal, so Prof. Dr. Müller. Die damit verbundenen Anforderungen an die Bildung betonte der Hochschullehrer in seinem Schlussplädoyer. Engagiert forderte er dazu auf, den Blick stärker auf die Antizipation und die Lösung zukünftiger Probleme zu lenken. Passend dazu präsentierten Schülerinnen und Schüler des offenen Labors der Freiherr-vom-Stein-Schule zusammen mit ihrem Lehrer, Clemens Groß, selbst entwickelte E-Fahrzeuge.
 
Die Veranstaltung unter dem Titel „Ist E-Mobilität alternativlos? Antriebstechnologie, Umweltbilanz, Wirtschaftlichkeit, Standortfragen“ fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Talk im Stein“, die vom Förderverein der Freiherr-vom-Stein-Schule organisiert wird, statt. 

 



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