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Artikel vom
07.02.2018
Der Verein „Wycliff“: Hoffnung für Menschen in allen Sprachen

Über 80 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 8 hörten in einem fächerübergreifenden Vortrag gespannt zu, als Richard Steinbring mit Unterstützung seiner Praktikantin Kanda Samy aus der internationalen Arbeit der Organisation „Wycliff“ berichtete. Die drei Religionskurse von Herrn Christoph Hartmann, Herrn Dr. Peter Mergler und Frau Ruth Scheunert sowie der Ethikkurs von Herrn Christoph Kesselhut erfuhren dabei zunächst, dass Wycliff in Deutschland 150, weltweit jedoch insgesamt 6000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besitzt. Die Organisation wurde nach dem Engländer und Vorreformator John Wycliff benannt, der von 1330 bis 1384 lebte. Dieser Oxforder Doktor der Theologie verfolgte bereits lange vor dem Reformator Martin Luther das Ziel, die Bibel für die damaligen Menschen in einer ihnen geläufigen Sprache lesbar und zugänglich zu machen. Auch heute widmet sich Wycliff e.V. diesem Ziel. Dabei bilden die drei grundlegenden Themen sowohl die Sprachforschung und Vermittlung von Grundbildung als auch die daran anschließende Bibelübersetzung in dem dazu speziell neu entwickelten Alphabet.

Zu diesem Zweck ist Richard Steinbring selbst vor mehreren Jahren nach Indonesien in ein Dorf namens Yale ausgewandert. Indonesien ist das Land mit den meist gesprochenen Sprachen auf der Welt. Dort werden ca. 700 Sprachen gesprochen. Zum Vergleich: Weltweit werden ca. 10.000 Sprachen gesprochen. Steinbring hat für die Menschen dort von 1985-1994 ein eigenes Alphabet entwickelt. Zuerst musste er dafür die Sprache und die Kultur erlernen, anschließend analysierte er die Grammatik. Zum schnellen und kompetenten Erlernen der Sprache erstellte er schließlich mit Hilfe einer Alphabettafel ein schriftliches Alphabet für die dort lebenden Menschen. Danach gab es Leseunterricht für alle. Letzterer diente zunächst dazu, dass sich die Dorfbewohner eine gewisse Grundbildung aneignen konnten, später sollten sie dann auch die Bibel in ihrer eigenen Muttersprache lesen können. Um den Menschen das Lesen ihrer eigenen Bibel beizubringen, dauert es je nach Vorkenntnissen 8 bis 12 Jahre. Die erste Hörbibel für Kulturen, die ohne Strom leben, demonstrierte Steinbring anschaulich an einem Plattenspieler, bei dem der Resonanzkörper aus Pappe besteht und die Platte selbst per Hand gedreht werden muss. Später wurde mithilfe eines Kassettenrekorders, bei dem mit einer Handkurbel über einen eingebauten Dynamo Strom erzeugt wird, den Leuten eine fortschrittlichere Möglichkeit in die Hand gegeben, um die Bibel zu hören. Heute gibt es laut Steinbring MP3-Player mit Solarzellen.

Kanda Samy, die momentan als Praktikantin bei Wycliff tätig ist, kommt ursprünglich aus Sri Lanka. Sie spricht als Muttersprache eine Silbensprache namens Tamil. Anschaulich erklärte sie, wie diese Sprache aus über 200 Silben aufgebaut ist. Sie möchte sich in Zukunft vielleicht ebenfalls bei Wycliff engagieren.

Auch für die Menschen, die heute eine Bibel in ihrer Muttersprache lesen können, ist dies immer noch ein besonderer Augenblick. So äußerte sich beispielsweise auch ein Einheimischer aus Indonesien: „Wenn wir jetzt die Bibel lesen, ist es, als würde Jesus direkt neben uns stehen und persönlich mit uns reden.“

Alles in Allem war dieser Vortrag sehr informativ, interessant und man kann von Glück reden, dass es uns so gut geht!


Maximilian Arnold und David Schumacher



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