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Artikel vom
31.01.2019
Christen und Muslime begegnen sich - Exkursion DITIB

Da wir uns in unserem evangelischen Religionskurs von Herrn Dr. Mergler innerhalb der E1-Phase mit dem Thema „Religionen begegnen sich“ befasst haben, unternahmen wir im Januar eine Exkursion zur DITIB (Türkische Islamische Gemeinde). Dort erhielten wir einen umfassenden Einblick in den muslimischen Glauben. Dabei machte die Gemeinde, die ca. 400 Mitglieder umfasst, bereits auf den ersten Blick einen sehr freundlichen und gesellschaftlichen Eindruck. So kommen die Muslime dort nicht nur zum gemeinsamen Beten zusammen, sondern treffen sich auch außerhalb der Gebetszeiten zum Billiard spielen oder zum gemeinsamen Fastenbrechen. Herr Sedat Ölcer ist gläubiger Moslem und hat uns an einigen persönlichen Erfahrungen und Ansichten teilnehmen lassen. Das fünfmalige, nach Mekka ausgerichtete Beten am Tag ist uns aus dem Christentum nicht bekannt, zumal die Muslime hier an feste Gebetszeiten gebunden sind. Herr Ölcer erklärte uns, dass es sich bei diesen Gebetszeiten mehr um Zeitspannen als um Zeitpunkte handelt und dass es ihnen so leichter fällt, das Beten mit dem alltäglichen Leben (z.B. Schule, Arbeit) zu vereinen. Wenn sie trotzdem ein Gebet auslassen müssen, da sie es zeitlich nicht einrichten konnten, holen sie es später einfach nach. Die tiefe Glaubensüberzeugung von Herrn Ölcer war offensichtlich, die er auch mit den Worten bekräftigte: „Ein Gebet umfasst etwa 15 Minuten. Das macht etwa eine Stunde am Tag. Eine Stunde von 24 Gott zu widmen, ist nicht viel verlangt, wenn man bedenkt, dass er uns unser Leben geschenkt hat.“ Da wir uns zur Zeit des Nachmittagsgebetes in der DITIB aufhielten, konnten wir dem Gebetsruf und auch einigen Gebeten (über Lautsprecher) zuhören, die für uns, da sie auf Arabisch gehalten werden, zwar unverständlich, jedoch als eine harmonische Melodie wahrzunehmen waren. Die Gebetsräume, die aus hygienischen Gründen nur ohne Schuhe zu betreten sind, sind nicht nur sehr fröhlich und ansehnlich gestaltet, sondern fördern auch hier das Empfinden der Gemeinde als eine Einheit. Jeder einzelne, der dort betet und eine bestimmte Abfolge von Gebetshaltungen befolgt, kann im Grunde die Rolle des Vorbeters einnehmen. Denn wenn sie beten, geht es den Muslimen ausschließlich um ihre enge Verbindung zu Gott, dem sie rein (Waschungen) und unterwürfig (Gebetshaltung) gegenüberstehen. Obwohl wir einige Unterschiede zwischen dem Islam und dem Christentum feststellen konnten (beispielsweise separierte Frauenräume), so konnten wir in den zwei monotheistischen Religionen auch einige Gemeinsamkeiten im Glauben feststellen. Viele Christen wissen nicht, dass viele Personen (z.B. Moses, Maria), über die in der Bibel berichtet wird, auch im Koran wiederzufinden sind. Anders als im Christentum sehen die Muslime die Propheten Muhammed und Jesus jedoch als gänzlich menschlich an. Auch glauben Muslime an das Jenseits. Sie sind davon überzeugt, dass sie nach dem Tod für alle ihre Taten, ob sie nun gut oder schlecht sein mögen, in Rechenschaft gezogen werden. „Gott schenkte uns das Leben. Wenn wir nun ein gutes Leben führen, wird Gott uns auch die Ewigkeit schenken“, erklärte Herr Ölcer und fügte hinzu, was er von einer atheistischen Einstellung hält: „Wenn ich ein gutes Leben führe, ist es egal, ob es einen Richter im Jenseits gibt oder nicht. Am Ende des Lebens habe ich nichts verloren.“

Katharina Liebert



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