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Artikel vom
01.01.1970
Bildung 2030 – sieben Trends, die die Schule revolutionieren

Der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Olaf-Axel Burow zeigte auf sehr eingehende Weise ausgehend von historischen Begebenheiten Entwicklungslinien und gesellschaftliche Umbrüche auf, die uns den aktuellen Wandel von der automatisierten Welt hin zur Welt der künstlichen Intelligenz erklärbarer machen. Diese mit dem digitalen Einfluss auf fast alle Lebensbereiche und der zunehmenden Globalisierung einhergehende Entwicklung zieht weitreichende gesellschaftliche Veränderungen mit sich, die auch den Bildungssektor massiv betreffen. Dieser Wandel eröffnet Chancen, ruft aber auch Ängste und Widerstände hervor.

Zweifelsohne steht das System Schule konzeptionell vor einer grundlegenden Umstrukturierung, wenn es nicht zu einer abgegrenzten Parallelwelt zur Alltags- und Lebenswelt des Großteils unserer Gesellschaft stilisiert werden soll. Schulentwicklungsprozesse in vielen Versuchsschulen in Deutschland, aber auch in anderen Ländern bezüglich selbstgesteuertem, individualisiertem, projektorientierten Lernen jenseits der Fächergrenzen und 45-Minutentaktung zeigen Wege aus dem Dilemma, dass wir versuchen Schülerinnen und Schüler auf morgen vorzubereiten mit einem Schulsystem, dass für die Gesellschaft der Industrialisierung entwickelt und optimiert wurde. Anstelle des linearen Denkens, dass langfristig entwicklungstheoretisch in eine Sackgasse führt, sollte transformatives Denken und Handeln treten. Anstatt das bestehende System im Kleinen immer wieder zu verbessern oder zu verändern, sollte man vom Ziel her denken („wie sieht die perfekte Schule des Jahres 2030 aus und welche Anforderungen muss sie erfüllen?“) und dann von dieser Vision aus Schule neu und offen planen und gestalten.

Das führt, aufgrund der zu eröffnenden, individualisierten Lernwegen und der dafür nutzbaren Digitalisierung, zu neuen Schwerpunktsetzungen und drastischen Veränderungen unter anderem in den Bereichen Lehrerrolle, Vernetzung auf allen Ebenen, Veränderung des Lehr-/Lernraums, Gesundheitsorientierung und Demokratisierung (der Bildung).

Ausgehend von der Theorie des „Flows“ von Mihaly Csikszentmihalyi  zeichnete Prof. Dr. Burow zum Abschluss eine Linie der Glücksorientierung bis hin zu den „serious games“, in denen spielerisch und quasi nebenbei gesellschaftsrelevantes Wissen vermittelt wird.

Die rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten noch lange darüber, wie diese gesellschaftlichen Veränderungen und insbesondere auch die Glücksorientierung in die Schulentwicklung eingehen könnten und tauschten sich über gelingende Konzepte aber auch Stolpersteine aus. Den Wunsch nach Veränderung trug wohl jeder mit sich nach Hause.


Text: Clemens Groß
Bilder: Marius Nüchter



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